| Die Geschichte der Corps | |||||
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Als nach der französischen Revolution die ersten Corps als Ergebnis einer studentischen Reformbewegung entstanden, kannte man die Bezeichnung „Corps“ für diese neue studentische Gemeinschaft noch nicht. Sie selbst nannten sich zum Unterschied von den bisherigen Landsmannschaften (nicht vergleichbar mit den heutigen Landsmannschaften) meist „Kränzchen“, waren aber ebenso landsmannschaftlich aufgebaut. Von den alten Landsmannschaften unterschieden sie sich dadurch, dass sie mit anderen Kränzchen bzw. Landsmannschaften am Ort einen Seniorenconvent bildeten, für die ganze Universität einen allgemeinen Burschenbrauch schriftlich niederlegten und nun für sich die Führung und die Gerichtsbarkeit über die gesamte Studentenschaft der Universität beanspruchten. Der Name „Landsmannschaft“ war für die Behörden jedoch seit geraumer Zeit suspekt. Im Interesse der Disziplin sollten landsmannschaftliche Zusammenschlüsse daher unterdrückt werden. Als es um 1810 in Heidelberg wieder zu einer Verfolgung der Landmannschaften kam, wurde vom Heidelberger SC eine unauffälligere Bezeichnung gesucht. Er fand sie in der Bezeichnung „Corps“ (lat. Corpus - Gemeinschaft). Andernorts verwendete man auch die Bezeichnungen „Gesellschaft“ oder „Klub“. Von Heidelberg ging die Bezeichnung „Corps“ nach Göttingen über und verbreitete sich von dort aus immer weiter. Zur eigentlichen Typenbezeichnung für eine bestimmte Art Verbindung kam es aber erst nach dem Entstehen der Deutschen Burschenschaft 1815, deren Ziel es war, Einzelverbindungen abzuschaffen und alle Studenten einer Universität zu einer großen Gemeinschaft aller Burschen, eben einer „Burschenschaft“ zusammenzufassen. Die in sich fest geschlossenen Landsmannschaften (Corps) lehnten dies ab. Sie wollten, in der großen Studentenschaft, einen „Corpus“ für sich bilden. Auch dies trug zur Verbreitung des Begriffes bei. Wenngleich dies auch seine Zeit dauerte: Noch lange fanden sich beide Bezeichnungen synonym nebeneinander und durcheinander. Mit den heutigen Landsmannschaften haben die damaligen Landsmannschaften entwicklungsgeschichtlich nichts zu tun. Sie sind in einer studentischen Reformbewegung der 1840er Jahre aus einer Gegnerschaft zu den Corps entstanden. Da die ersten Corps also auf einer landsmannschaftlichen Idee fußten, durften sie sich bei mehreren Corps am Ort nur aus den Abstammungsgebieten der Mitglieder rekrutieren. Von diesen Gebieten bekamen sie dann ihre Namen: Borussia, Guestphalia, Frankonia usw. Ihre Farben waren deshalb auch nicht willkürlich gewählt. Ihre Vorbilder lassen sich meist in den spezifischen Landesfarben (z.B. schwarz-weiß: Preußen) oder in Farben der dortigen Offiziersuniformen, aber auch in den Hausfarben der Herrscherhäuser finden. Das Brustband wurde erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts Mode. Es hat sich vermutlich aus einem, mit den Farben versehenden Uhrenband, welches von der rechten Schulter bis zur linken Hüfte getragen wurde, entwickelt. Die Farbenmütze entwickelte sich auch aus einer Modelaune und tritt erstmals um 1810 auf. Farbe und Form bestimmte Anfangs der Träger selbst, erst in den vierziger Jahren bildete sich eine Vereinheitlichung heraus. Der Zirkel, ein wesentliches Erkennungszeichen eines jeden Verbindungsstudenten, hat seinen Ursprung in der Ordenszeit (1770-1800). Damals wurde er als geheimes Erkennungszeichen der Ordensbrüder untereinander erfunden. Er ist bis heute ein Zeichen für Eingeweihte und kein Schnörkel ohne Bedeutung. Er sollte deshalb sauber und erkennbar gezeichnet werden! Anfangs gab es im Corps nur Corpsburschen, die während der gesamten Dauer ihres Studiums aktiv waren. Jeder Neuaufgenommene hatte sofort Sitz und Stimme im Corpsburschenconvent. Um den Kreis der recepierten Mitglieder scharten sich jedoch zahlreiche Studenten, die zwar Anschluss beim Corps suchten, aber nicht aktiv werden wollten und oft auch nicht konnten. In vielen Konstitutionen war eine begrenzte Anzahl von Mitgliedern festgelegt. Sie waren eine Art Verkehrsgäste, aus denen sich das Corps seinen Nachwuchs aussuchte. Sie nahmen an den Veranstaltungen teil und besuchten den Fechtboden. Weil sie auf die aktive Teilname am Corpsburschenleben verzichteten bzw. verzichten mussten, trugen sie die Bezeichnung „Renonce“. Für das Corps war eine starke Renoncenschaft von erheblichem Wert, da sie Einfluss und Ansehen in der zahlenmäßig relativ kleinen Studentenschaft erheblich stärkten. Seit dem zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts verliehen die meisten Corps den Renoncen besondere, überwiegend zweifarbige Bänder. Aus diesem Renoncenwesen entstand im Laufe der Zeit unser heutiges Fuchsenwesen. Obwohl der Begriff „Fuchs“ schon bedeutend älter war, wurden die Renoncen nun oft so bezeichnet, was sich bis heute gehalten hat. Nach der Entstehung der Deutschen Burschenschaften schrumpften die Renoncenzahlen, da sich viele Studenten, die sonst Renoncen bei den Corps geworden wären, Burschenschaften anschlossen. Besonders wirkte sich dies in der „Progresszeit“ 1835-1855 aus, als sich neben Corps und Burschenschaft noch viele weitere Verbindungen gründeten. Bei den Corps blieb nun noch eine verhältnismäßig kleine Zahl von Renoncen, die aber im Gegensatz zu früher die Reception anstrebten. Die Corps zogen sie dichter an sich heran und bildeten sie durch regelmäßigen Fuchsenunterricht für die Reception aus. Bis heute werden deshalb in vielen Corps die Füchse auch noch als Renoncen bezeichnet. So erklärt sich auch der Begriff des „engeren Corps“, das lediglich aus den Aktiven besteht. Die gewählten Chargen treten nach alter Anschauung aus den engeren Corps heraus und stehen dann über ihm. Der Begriff und die Stellung der Inaktiven bilden sich erst um 1855 heraus. Die 1848 gewährte Vereinsfreiheit ermöglicht es den mehr oder weniger behördlich verfolgten Corps sich freier zu entfalten. Das Corpsleben wurde umfangreicher und nahm den Einzelnen zeitlich mehr in Anspruch. Das verlangte, dass man den Aktiven in den Examenssemestern dann von Aufgaben entlastete. Zunächst erfolgte eine Befreiung von den Veranstaltungen, bis sich daraus im Laufe der Zeit eine generelle Freistellung von bestimmten Pflichten herausbildete. Damit war der „Inaktive“ geschaffen. Die Einrichtung einer Altherrenschaft ist ebenfalls erst im Laufe der Jahrzehnte zu der Form herangewachsen. Es gab ursprünglich zwei Grundtypen von Corps: die „Lebenscorps“ und die „Waffencorps“. Die Lebenscorps hatten ihre Heimat hauptsächlich im süddeutschen Raum. Ihre Zugehörigkeit zum Bund war nicht nur auf Lebenszeit festgelegt, sie durften darüber hinaus auch kein weiteres Band aufnehmen. Bei den Waffencorps endete die Zugehörigkeit mir Abschluss des Studiums. Während sich daher bei den Lebenscorps viel eher so etwas wie eine Altherrenschaft herausbildete, mussten die Waffencorps erst Anschluss an ihre früheren Mitglieder suchen. In diese Zeit (nach 1871) entstanden die ersten fest gefügten AH-Vereine, die sich zum Ziel gesetzt hatten, ihr aktives Corps beratend und finanziell zu unterstützen. |
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