Geschichtliches

Schon 1161 wird der Name „ROZTOC“ (slawisch: Flussverbreiterung) erstmalig in der Chronik des dänischen Geschichtsschreibers Saxo Grammaticus erwähnt: die slawische Burg ist von dem Dänenkönig Waldemar angegriffen worden. Um das Jahr 1200 siedeln sich deutsche Kaufleute und Handwerker gegenüber der slawischen Burg auf der Anhöhe am linken Warnowufer an und gründeten eine neue Siedlung mit dem Namen Rostock, der dann am 24. Juni 1218 vom Landesfürsten Heinrich Borwin I. das Lübsche Stadtrecht bestätigt wird. Etwa zwei Jahrzehnte später entsteht die Mittelstadt, eine zweite Siedlung um den Neuen Markt. Um 1252 kommt eine dritte um den heutigen Universitätsplatz hinzu, die Neustadt. 1265 vereinigen sich die drei Ansiedlungen zu einem Gemeinwesen. Handel und Handwerk blühen auf.

Im Laufe der Jahrzehnte kann die reiche Stadt dem stets in Geldnöten befindlichen Landesfürsten weitgehende Rechte und große Ländereien abkaufen. So erlangt die Stadt 1325 die Münzgerechtigkeit, 1358 die volle Gerichtsbarkeit, 1252 erwirbt sie das große Waldgebiet der Rostocker Heide, 1323 das kleine Fischerdorf Warnemünde und sichert sich damit den freien Zugang zur Ostsee.

Ansicht von RostockEin Zusammenschluss Rostocks mit Lübeck und Wismar legt den Grundstein für die Städtegemeinschaft der Hanse. Rostock ist zu der Zeit mit etwa 11.000 Einwohnern eine der größten und mächtigsten Städte im Ostseeraum. Dieser Tatsache verdankt Rostock auch die Gründung der ersten Universität Nordeuropas im Jahre 1419, die neben vielen Studenten aus Norddeutschland besonders junge Dänen, Schweden und Norweger nach Rostock zog.

Im Wappen Rostocks ist ein goldener Greif, das Wappentier Fürst Borwins, auf blauem Grund abgebildet, im unteren Teil des Wappens die Farben der Hanse - Silber und Rot.

Die wirtschaftliche Blüte und der Reichtum der Stadt finden ihren Ausdruck in einer bewundernswerten Architektur, von der noch heute etliche Zeugnisse im Stadtbild vorhanden sind. Mit dem Übergang vom 16. zum 17. Jahrhundert verliert die Hanse mehr und mehr an Bedeutung. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hinterlässt auch in Rostock tiefe Spuren. Seit 1627 wird die Stadt abwechselnd von kaiserlichen und schwedischen Truppen besetzt. Ab 1632 erheben die Schweden an der Warnowmündung den so genannten „Schwedenzoll“ der in Rostock die Handelstätigkeit weitgehend lahm legt, da die Nachbarstädte Wismar und Stralsund im Ergebnis des Westfälischen Friedens zu Schweden kommen, ist Rostock isoliert.

1669 findet in Lübeck der letzte Hansetag statt. Acht Jahre später wütet ein verheerender Stadtbrand, große Teile der Alt- und Mittelstadt werden vernichtet. Der Nordische Krieg (1700-1721) und der Siebenjährige Krieg (1756-1763) ziehen Rostock schwer in Mitleidenschaft. Die einstmals so glanzvolle Entwicklung der Stadt ist beendet.

1806 beginnt auch für Rostock mit der Besetzung durch die napoleonischen Truppen die „Franzosenzeit“ und mit ihr die Kontinentalsperre, die den noch verbleibenden Handel zum Erliegen bringt. Nach dem Sieg über Napoleon und der Aufhebung der Kontinentalsperre beginnt für die Rostocker Segelschifffahrt ein neuer Aufschwung. Die in der Folgezeit größte deutsche Flotte an der Ostsee wird aufgebaut.

Um 1830 wächst die Stadt über ihre Stadtmauern hinaus. 1851/52 wird auf der Werft Tischbein & Zeltz der erste seegehende eiserne Schraubendampfer Deutschlands, die „Großherzog Friedrich Franz", gebaut. Die Neptunwerft (1890), Rostocks Anschluss an das Eisenbahnnetz (1850), ein Fährverkehr nach Gedser (1903) und mehrere Fabriken kennzeichnen die zögernde Industrialisierung und das damit verbundene Anwachsen der Einwohnerzahl. Auch in der Lebensmittelbranche entwickelten sich Firmen, wie Julius Krahnstöver (1803) und Conrad Lehment (1864) - „Rostocker Doppelkümmel".

1910 wurde im Barnstorfer Wald der Tiergarten eröffnet.

Der Erste Weltkrieg verschont die Stadt weitgehend. Die wirtschaftliche Bedeutung für ganz Mecklenburg steigt weiter. Luftfahrt und Flugzeugbau siedeln sich in Rostock an. Ab 1933 wird die Stadt maßgeblich in die Rüstungsproduktion des faschistischen Deutschlands einbezogen. Auf der Neptunwerft werden U-Boote gebaut, Heinkel und Arado bauen und Entwickeln hier Flugzeuge. Das erste düsenstrahlgetriebene Flugzeug startete in Rostock. 1935 überschreitet Rostock die 100.000-Einwohner-Grenze und wird Großstadt. Im April 1942 wird Rostock Ziel britischer Luftangriffe. 40% der Stadt fallen in Schutt und Asche. Am 1. Mai 1945 besetzt die Rote Armee Rostock, das damit zur sowjetischen Besatzungszone Deutschlands gehört.

Der langsame und mühevolle Neuaufbau beginnt. Erste sichtbare Zeichen sind die Wohnbauten um die Krämerstraße, später die Neubebauung der Lange Straße. Seit 1953 ist Rostock Bezirksstadt des nördlichsten Bezirkes der DDR. Die Stadt wird durch den 1960 eröffneten Seehafen, aber auch durch die Werften und deren Zulieferbetriebe, zum „Tor zur Welt“ für die DDR. Die Einwohnerzahl steigt, große Neubaugebiete entstehen. 1971 hat Rostock 200.000 Einwohner, 1987 ist die Viertel-Millionen-Marke erreicht.

1989 wird auch in Rostock der Widerstand gegen das bestehende System immer größer. Im Mai 1990 beschließt die Bürgerschaft den Namen „Hansestadt“ wieder in den Stadtnamen aufzunehmen. Die Stadt ist im Umbruch und ihre Bürger sind dabei, ihr hanseatisches Selbstbewusstsein zurück zu gewinnen.

Im Oktober 1990 demonstrierten die Bürger Rostocks gegen die SED - Politik und die gesellschaftlichen Verwerfungen, es entstand der Runde Tisch Rostocks und die „Doppelherrschaft“ begann. Aus den ersten freien Kommunalwahlen im Mai 1990 ging Rostocks Senat hervor, der eine Koalition aus SPD, CDU, Bündnis 90 und FDP war. Die Bürgerschaft beschließt den Namen „Hansestadt“ wieder in den Stadtnamen aufzunehmen. Trotz der Gründung von fast 4.200 kleineren Betrieben stieg die Zahl der Arbeitslosen in Rostock bis 1997 auf 18.000. Aufgrund steigender sozialer Probleme und der Orientierungslosigkeit besonders unter den Jugendlichen in der Stadt kam es 1992 zu den berühmt berüchtigten Ausschreitungen in Lichtenhagen.

Man besinnt sich wieder auf die hanseatischen Werte. Die jährliche Hanse Sail und andere Stadtfeste bringen steigende Besucherzahlen und steigern die Attraktivität der Stadt. Die Restaurierung alter Straßenzüge und der stetige Ausbau der Universität machen Rostock wieder bewohnenswert und zu einem Anlaufpunkt für mittlerweile über 13000 Studierende.